Tourismus der Zukunft


ITB Berlin und der Tourismus der Zukunft

UPDATE: Was viele bereits vermuteten, ist nun traurige Gewissheit. Die ITB in Berlin wurde abgesagt und wird auch nicht mehr in diesem Jahr nachgeholt.

Was haben die Philippinen und Österreich gemeinsam? Beide sind Spitzenreiter im globalen Tourismusgeschäft. Fast 1/5 der Gesamtbeschäftigten in Österreich arbeiten im Freizeit- und Tourismussektor – und die Philippinen erwirtschaften knapp 25% ihres BIP durch den Tourismus – ein Milliarden Business.

Die Internationale Tourismus Börse Berlin (ITB) ist seit über 50 Jahren eine Plattform für die Tourismusbranche: Messe und Kongress für Fach- und Privatbesucher. Gut 180 internationale Aussteller wollen in diesem Jahr mit Showeinlagen und Kulinarik für ihre Destination werben – nicht wissend wie viele Ausstellerabsagen aufgrund des Corona-Virus kommen werden.

„Smart Tourism for Future“ ist das diesjährige Motto. Schöne, heile Tourismuswelt? Sicher nicht. Parallel zur ITB findet übrigens das Berlin Travel Festival statt, ein eigenständiges Event. Die engagierten Macher sprechen ganz explizit die neue Generation der Urlauber an, die reisen und dabei dennoch ökologisch und sozial verantwortlich handeln wollen.

Future vs. Overtourism

1,4 Milliarden Touristen haben 2018 die Welt bereist. 1950 waren es gerade mal 25 Millionen. Was für ein gigantischer Zuwachs! Aber die Folgen sind weltweit nicht nur positiv. Die durch Game of Thrones populär gewordene Stadt Dubrovnik wurde zeitweise für Kreuzfahrttouristen gesperrt. Es war schlicht kein Platz mehr für weitere Besucher in den Straßen. Die Philippinen haben die gesamte Insel Boracay für Touristen geschlossen, um dem strapazierten Ökosystem Erholung zu ermöglichen.

Dieser Overtourism gefährdet die Natur und auch die Existenzgrundlage vieler Menschen. Smart und nachhaltig soll der Tourismus deshalb werden, um zukunftsfähig zu bleiben. Das haben auch die ITB-Verantwortlichen erkannt. Wohl auch deshalb wurden Vertreter der Fridays for Future Bewegung und führenden Klimaexperten zu einem Diskussionsform eingeladen. Ein Statement für den notwendigen Wandel in einer Branche, die den extrem umweltschädlichen Kreuzfahrtsektor beheimatet. Laut NABU stößt ein Kreuzfahrtschiff pro Tag so viel klimaschädliches Schwefeldioxid aus wie 376 Millionen Autos.

E-Bike Safari statt Diesel-Jeep-Tour

Für die, die es ernst meinen mit der Nachhaltigkeit, ist der sozialverträgliche Ökotourismus eine Option. Davon soll die lokale Bevölkerung profitieren, die Umwelt geschützt werden und die Touristen sollen trotzdem etwas erleben. Fernreisen sind dabei nicht ausgeschlossen. Zu den neuen Angeboten zählen beispielsweise eine Eselwanderung im Altmühltal, eine E-Bike Safari in Kenia oder Waldbaden in Japan.

Auch im Luxussegment kommt der neue Trend zum sanften Tourismus an.

„Back to Nature“

ist das Motto im „Home of Luxury“-Bereich auf der ITB. Mit einem weltweiten Umsatz von 750 Milliarden Euro in 2019 und starkem Zuwachs, ist das Luxussegment ein zukunftsträchtiges Schlüsselelement für die Tourismusbranche. Designer Möbel aus recyceltem Plastik, ein mit Solarstrom geladener Limousinen Service und hoteleigene Naturschutzprojekte sind erst der Anfang. Alles nur Alibi-Maßnahmen? Wir sind gespannt, wie nachhaltig diese Projekte auch umgesetzt werden oder, ob sie nur kurzzeitig auf den Trend reagieren.

Digital & relevant

Der Zeitgeist verändert den Tourismus und durch die Digitalisierung buchen Reisende ihren Urlaub immer häufiger selbst. Über digitale Plattformen wie airbnb, skyscanner oder booking.com wird laut GfK Prognose im Jahr 2020 die Mehrheit aller Buchungen abgewickelt werden. Das klassische Reisebüro wird sich noch mehr spezialisieren müssen.

Die Digitalisierung stellt aber auch die Urlaubsdestinationen vor neue Herausforderungen. Die Vermarktung läuft immer stärker über die Homepage, Plattformen und die Social Media Kanäle. Dabei ist es wichtiger denn je, sich von der Fülle der Wettbewerber abzugrenzen und den eigenen USP zu schärfen. Blühende Wiesen und Traumstrände genügen nicht, denn die haben viele Destinationen zu bieten. Es geht um authentische Erlebnisse, die auch digital glaubwürdig und stilistisch differenzierend vermittelt werden müssen. Suchmaschinenoptimierungen für die Auffindbarkeit, stylische Fotos und viele Likes auf Instagram für die Relevanz sind zu Basis-Aufgaben geworden.

IDEENHAUS unterstützt die Südtiroler Destination Val Gardena gerade dabei, einen wichtigen und differenzierenden Markenwert in der Kommunikation und an allen Touchpoints erlebbar zu machen. Die Ergebnisse gibt es bald bei uns auf der Website!

Zukunft ITB & Corona-Virus

Wie lange das Flaggschiff ITB noch die Besucher anziehen wird, oder ob Events wie das Berlin Travel Festival an Bedeutung gewinnen, werden wir mit großem Interesse beobachten. Viel akuter ist die Bedrohung in diesem Jahr aber durch den Corona-Virus. Noch ist nicht sicher, ob die ITB wie geplant stattfinden kann. Bei 10.000 Ausstellern, die ohnehin viel auf Reisen sind, ist schwer nachvollziehbar, ob jemand in einer Gefahrenregion zugegen war. Wir hoffen nur das Beste!

Bildnachweis: Joshua Earle, chuttersnap und Christopher Rusev auf unsplash.com

TEILEN

Autor kontaktieren

Marion Endres

DAS KÖNNTE IHNEN AUCH GEFALLEN

Menu Menu
Zurück
Scroll to Top