Pus­te­blu­me statt Kau­tschuk


Pus­te­blu­me statt Kau­tschuk. Oder was die Auto­mes­se IAA mit Mikro­plas­tik zu tun hat.

Es sind weder Plas­tik­stroh­hal­me noch Plas­tik­tü­te …

… der größte Ver­ur­sa­cher von Mikro­plas­tik in Deutschland ist der Abrieb von Auto­rei­fen!

Über­rascht? So fühlte sich die Auto­mo­bil­mes­se IAA gemü­ßigt, das Thema auf die Agenda zu setzen. Wir fragen uns: Green­wa­shing der Rei­fen­her­stel­ler, oder sind echte Lösun­gen zu erwar­ten?

Lange ging es auf der IAA um PS-starke Boli­den, die von leicht­be­klei­de­ten Frauen prä­sen­tiert wurden. Das scheint als Erfolgs­trei­ber aus­ge­dient zu haben. Nicht zuletzt auch weil zuneh­mend mehr Auto­fir­men gar nicht mehr bei der IAA aus­stel­len, waren die Mes­se­ver­an­stal­ter gezwun­gen, sich neue Themen ein­fal­len zu lassen. Nur ungern will man das Schick­sal der CeBIT nach­ah­men, die 2019 den Tod der unge­pfleg­ten Mes­se­mar­ke ster­ben musste.

Nun spie­len Nach­hal­tig­keit und Umwelt auch bei der IAA eine grö­ße­re Rolle – vor allem beim Thema Auto­rei­fen. Das Thema ging auch gut durch die Medien. Denn knapp 1 Kilo Rei­fen­ab­rieb pro Jahr und Fahr­zeug landen davon auf deut­schen Stra­ßen. Durch Wind und Regen gelangt das Mikro­plas­tik in die Kana­li­sa­ti­on und weiter in die Umwelt. Erschre­cken­de 110.000 Tonnen pro Jahr in Deutschland laut Umwelt­bun­des­amt!

Die gute Nach­richt ist, dass wirk­lich seriös geforscht und Alter­na­ti­ven ent­wi­ckelt werden – auch das renom­mier­te Fraun­ho­fer Insti­tut ist dabei.

Getrie­ben wurde die For­schung anfangs durch die Roh­stoff­knapp­heit beim Kau­tschuk. Das Ergeb­nis: Löwen­zahn-Gummi. In einem wei­te­ren Pro­jekt haben Fraun­ho­fer-Wis­sen­schaft­ler erste Rei­fen­pro­to­ty­pen mit Lauf­flä­chen aus Syn­the­se­kau­tschuk ent­wi­ckelt. Diese zeigen gegen­über dem Natur­kau­tschuk 30 bis 50 Pro­zent weni­ger Abrieb.

Miche­lin hat das Ziel aus­ge­ru­fen, Reifen zu 80 Pro­zent aus nach­hal­ti­gen Mate­ria­li­en wie Limo­nen und Son­nen­blu­men­öl zu fer­ti­gen. Die kom­plet­te Recy­cling­fä­hig­keit soll im Jahr 2048 mög­lich sein. Ja, rich­tig gele­sen: in 29 Jahren!

In der Praxis nutz­ba­re Lösun­gen für die Redu­zie­rung des Rei­fen­ab­riebs scheint es bis­lang noch nicht zu geben. Immer wieder wird das Thema der Fahr­si­cher­heit ins Feld geführt, die letzt­lich über allem stehe.

Umwelt­ver­bän­de for­dern Filter für die Kana­li­sa­ti­on, um das Mikro­plas­tik daran zu hin­dern, in den Was­ser­kreis­lauf ein­zu­tre­ten. Zusätz­lich wird ein Güte-Siegel für Auto­rei­fen mit Kri­te­ri­en wie Halt­bar­keit und Abrieb gefor­dert, um Ver­brau­cher zu infor­mie­ren und den Pro­du­zen­ten Druck zu machen.

Ein wei­te­res, rie­si­ges Pro­blem: Wohin mit den gebrauch­ten, abge­fah­re­nen Auto­rei­fen?

Dass vor der Küste Flo­ri­das 700.000 Auto­rei­fen auf dem Mee­res­grund liegen, weiß kaum jemand. Die Ent­sor­gung ist teuer und auf­wen­dig. Des­halb lässt man sie im Moment weiter dort liegen.

Irgend­wie scheint das ein lang­wie­ri­ges Unter­fan­gen zu sein. Ecorub, ein schwe­di­sches, bör­sen­no­tier­tes Unter­neh­men, arbeitet seit 20 Jahren daran, Gummi und auch Auto­rei­fen zu recy­celn und wieder in den Roh­stoff­kreis­lauf ein­zu­brin­gen. Ein klei­ner Licht­blick, der Mut macht.

Das Thema Auto­rei­fen­ab­rieb muss stär­ker in den öffent­li­chen Fokus rücken! Und Solan­ge es keine umfas­sen­den Lösun­gen gibt, sollte jeder seinen eige­nen Bei­trag leis­ten: Das Thema weiter ver­brei­ten, das Auto noch häu­fi­ger stehen lassen oder kon­se­quent auf andere Ver­kehrs­mit­tel setzen. Denn: Sha­ring is caring!

Es ist doch unfass­bar, dass uns jetzt erst klar zu werden scheint, wie wir uns mit Mikro­plas­tik selbst ver­gif­ten.

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Marion Endres - Inhaberin IDEENHAUS

Marion Endres

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