No to Plas­tik!


Plas­tik: Wenn die Innovation zum Pro­blem wird – Ein Blick nach Süd­ko­rea

Die Ent­de­ckung bzw. Entwicklung von Plas­tik vor 150 Jahren zählt zu den wich­tigs­ten Inno­va­tio­nen des 20. Jahr­hun­derts. Es ist billig, leicht und einfach zu ver­ar­bei­ten. Dadurch leis­te­te Plas­tik einen großen Bei­trag zur indus­tri­el­len Revo­lu­ti­on, die als Grund­la­ge unse­res heu­ti­gen Wohl­stan­des ange­se­hen wird. Heute kann sich kaum jemand mehr vor­stel­len, ohne Plas­tik zu leben. Obwohl es wegen seiner vielen prak­ti­schen Eigen­schaf­ten sehr beliebt ist, ist der Ein­satz von Kunst­stoff inzwi­schen sehr frag­wür­dig. Die größte Erfin­dung des 20. Jahr­hun­derts ist heute das größte Pro­blem.

Plas­tik bedroht die Umwelt, die Tiere und lang­sam auch den Men­schen.

Der Paci­fic Trash Vortex ist ein Tep­pich von mari­nen Schutt­par­ti­keln im nörd­li­chen Pazi­fik. Inzwi­schen trei­ben dort knapp 80.000 Tonnen Plas­tik in einem Gebiet von 1,6 Mil­lio­nen Qua­drat­ki­lo­me­tern.

Süd­ko­rea hat die Nase vorn

Süd­ko­rea ist welt­weit die Nummer eins beim jähr­li­chen Kunst­stoff­ver­brauch pro Person. 2016 wurden 98,2 Kilo­gramm Kunst­stoff pro Person ver­braucht. Ver­mut­lich auch eine Ursa­che und zugleich Folge des enor­men wirt­schaft­li­chen Wachs­tums nach dem Korea­krieg.

Der Reich­tum in der Bevöl­ke­rung ist schnell gestie­gen und ebenso der Wunsch nach Sau­ber­keit und Hygie­ne.

Dadurch ist auch der Ver­brauch von Kunst­stoff gestie­gen, weil er als Ver­pa­ckungs­ma­te­ri­al beson­ders einfach und sauber ver­wen­det werden kann.

Das Para­dies für Lie­fer­diens­te

Korea wird auch als Para­dies der Lie­fe­run­gen bezeich­net. Es ist üblich, alles Mög­li­che über den Lie­fer­ser­vice zu bestel­len. Wenn man zum Bei­spiel bei einem Lie­fer­ser­vice ein Bul­go­gi- Lunch­pa­ket bestellt, wird der Reis, die drei ver­schie­de­nen Bei­la­gen und das Bol­go­gi in plat­ten­för­mi­gen Plas­tik­be­häl­tern ser­viert. Um das Ver­mi­schen der Bei­la­gen zu ver­mei­den, wird das Gericht dabei in ein­zel­nen Plas­tik­be­häl­tern ver­packt. Jeder Klein­be­häl­ter wird extra mit einer trans­pa­ren­ten Folie ver­schlos­sen. Ins­ge­samt ver­ur­sacht so ein Essen also ver­schie­dens­te Abfäl­le. Das ist natür­lich beson­ders hygie­nisch. Doch über den anfal­len­den Müll macht sich bis jetzt kaum einer Gedan­ken.

Korea ist ein klei­nes Land mit großer Bevöl­ke­rung. Somit gibt es auch wenig Platz für Müll-Depo­nien. Aus diesem Grund hat das Land eine sehr stren­ge Recy­cling­po­li­tik erlas­sen. Beim Recy­cling beleg­te Korea den zwei­ten Platz unter den OECD-Län­dern. Den­noch sind die tat­säch­li­chen Recy­cling­quo­ten eher nied­rig. Nur 30 bis 35 Pro­zent des Plas­tiks werden recy­celt. Der Rest wird wieder dem nor­ma­len Müll zuge­führt, weil die Wie­der­ver­wer­tung unren­ta­bel ist.

Trotz Ent­sor­gungs­kon­zept – keine Ver­bes­se­rung

Recy­cling allein kann jedoch keine grund­le­gen­de Lösung für dieses Pro­blem sein. Der beste Weg, Plas­tik­müll zu redu­zie­ren wäre es, dass Pro­du­zen­ten, Her­stel­ler und Unter­neh­men die finan­zi­el­le Ver­ant­wor­tung für die Ent­sor­gung der von ihnen pro­du­zier­ten Pro­duk­te über­neh­men. Dieses Kon­zept wird in Süd­ko­rea nun seit 2003 umge­setzt. Den­noch gibt es wei­ter­hin sehr wenig recy­cle­ba­re Pro­duk­te in Korea.
Das Umwelt­mi­nis­te­ri­um hat daher erneut einen umfas­sen­den Plan aus­ge­ar­bei­tet, nach dem bis 2020 die Pro­duk­ti­on auf farb­lo­se PET-Fla­schen umge­stellt werden soll und die Ver­wen­dung von Plas­tik­tü­ten in allen Super­märk­ten ver­bo­ten werden soll. Auch das Recy­cling­sys­tem soll noch­mals über­ar­bei­tet werden.

Sub­ven­tio­nen für Elek­tro­au­tos

Die Regie­rung strebt auch eine Sub­ven­ti­on beim Kauf von Elek­tro­au­tos an, indem sie den Lade­strom zu 50 Pro­zent über­neh­men will. Dadurch soll der Markt für Elek­tro­au­tos erwei­tert werden. Aber ist das wirk­lich eine Lösung? Süd­ko­rea pro­du­ziert 40 Pro­zent seines Stroms mit­hil­fe von Koh­le­kraft­wer­ken.

Kos­me­tik­be­häl­ter als Haupt­ver­ur­sa­cher

Da sich Kos­me­tik­be­häl­ter als Haupt­ver­ur­sa­cher von Umwelt­ver­schmut­zung her­aus­ge­stellt haben, ist die Kos­me­tik­in­dus­trie aktiv bestrebt, Kunst­stoff­be­häl­ter zu redu­zie­ren.
Die korea­ni­sche Kos­me­tik­mar­ke Amo­re­Pa­ci­fic hat eine Geschäfts­ver­ein­ba­rung mit dem Umwelt­un­ter­neh­men Ter­ra­cy­cle über das Recy­cling von Plas­tik­fla­schen unter­zeich­net. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2025 ein 100% der Kos­me­tik-Fla­schen zu errei­chen.

Pla­s­tic Attack

Inzwi­schen macht sich der Umwelt­schutz auch im Alltag bemerk­bar. Die Kam­pa­gne Pla­s­tic Attack, die im März 2018 in Groß­bri­tan­ni­en begann, wird inzwi­schen auch in Süd­ko­rea umge­setzt. Akti­vis­ten pro­tes­tie­ren gegen den hohen Plas­tik­ver­brauch in Super­märk­ten, indem sie unnö­ti­ge Ver­pa­ckungs­tei­le im Markt als Müll zurück­las­sen.

Eine Bür­ger­initia­ti­ve, deren Namen man mit „Müll Beses­sen­heit“ übersetzen könnte, setzt sich dafür ein, dass das Becher­pfand wie­der­be­lebt wird, das bis 2009 in Süd­ko­rea ver­pflich­tend galt und dann auf­grund der Libe­ra­li­sie­rung der Wirt­schaft und gerin­ger Rück­ga­be­quo­ten wieder ver­wor­fen wurde. Die Akti­vi­tät der Kam­pa­gne heute besteht darin, für eine Stunde auf die Straße zu gehen und Plas­tik­be­cher zu sam­meln, um auf den hohen Ver­brauch auf­merk­sam zu machen.

Seit der Abschaf­fung des Becher­pfands im Jahr 2009 hat sich der Ein­satz von Einweg-Plas­tik­be­chern dras­tisch erhöht.

Der­zeit wird das Becher­pfand nur von eini­gen weni­gen Marken, dar­un­ter Star­bucks, frei­wil­lig ver­langt. Wenn das Pfand ver­pflich­tend durch­ge­setzt wird, können Unter­neh­men und Ver­brau­cher, die Ein­weg­be­cher ver­wen­den, zur Ver­ant­wor­tung gezo­gen werden. Die Hoff­nung ist, dass dadurch der Plas­tik­ver­brauch deut­lich redu­ziert werden kann. Auch die­je­ni­gen, die weg­ge­wor­fe­ne Ein­weg­be­cher ein­sam­meln, pro­fi­tie­ren von dem Pfand­sys­tem. Die Stra­ßen sollen durch diese win-win Situa­ti­on sauber gehal­ten werden.

Wie wir sehen: Auch Süd­ko­rea hat den Plas­tik­müll satt! Jetzt müssen nur noch alle gemein­sam anpa­cken – Unter­neh­men, Poli­tik und Ver­brau­cher!

Unser Bei­trag hier in Deutschland

Doch Kunst­stoff ist kein korea­ni­sches Pro­blem. Für uns in Deutschland sind die Nach­tei­le nur nicht so offen­sicht­lich. Nord- und Ostsee sind aus kli­ma­ti­schen und geo­gra­fi­schen Grün­den nicht so stark betrof­fen, wie andere Gewäs­ser – Recy­cling­hö­fe liegen im Nie­mands­land. Unser (Plastik-)Müll ist ver­bannt aus dem Alltag. Aber er ist da. Wir alle ver­ur­sa­chen ihn. Doch wir alle können etwas dage­gen unter­neh­men. Kleine Schrit­te, die nie­man­dem weh tun, aber der Umwelt und künf­ti­gen Gene­ra­tio­nen helfen können.

Wir haben zum Bei­spiel in unse­ren beiden Büros in Nürn­berg und Mün­chen aus­schließ­lich Wasser in Glas­fla­schen, bald viel­leicht sogar eine ganz andere Lösung (seid gespannt – wir werden berich­ten!). Außer­dem gibt es bald Lebens­mit­tel-Boxen für die Kol­le­gen, damit wir das Take-Away-Mit­tag­essen nicht in Einweg-Plas­tik-Scha­len trans­por­tie­ren müssen. Ein klei­ner Schritt für uns, aber ein großer für die Nach­welt.

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Marion Endres - Inhaberin IDEENHAUS

Marion Endres

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