Micro-Gardening: Vitaminbomben ohne Corona-Shopping-Stress

Die Gesichtszüge sind verdeckt, die wachen Augen taxieren die Umgebung und entdecken eine Lücke. Ein schneller Griff zum Kresse-Kästchen. Die Schweißperlen stehen auf der Stirn – knapp den Mindestabstand eingehalten.


COVID-19 verändert uns

Der Lockdown verändert unsere Gewohnheiten und lässt jede Einkaufstour zum Sondereinsatz werden. Mitten in der Corona-Krise keimt der Wunsch nach Autonomie und Selbstversorgung auf. Immer frischen Koriander zur Hand für das Lieblings-Wok-Gericht und gleichzeitig die Immunabwehr stärken durch Superfoods. Das Ganze ohne Ansteckungsgefahr. Die Antwort: Micro-Gardening! Also der Anbau von essbarem „Grünzeug“ in der eigenen Wohnung.
Dieser urbane Trend hat das Potenzial die Krise als Sprungbrett zu nutzen. Doch wer Brokkoli oder Kohlrabi in der eigenen Wohnung züchten will, stößt schnell an räumliche Grenzen. Teppichböden, Sofa oder Playstation eignen sich nur bedingt als Beet-Partner für Gemüse. Sogenannte Micro-Greens schaffen Abhilfe.


Was sind Micro-Greens?

Micro-Greens sind die Keimlinge von Radieschen, Kohlrabi und Co. Die Mini-Sprösslinge sind prallvoll mit Nährstoffen, die sie für ihr Wachstum benötigen. Das macht sie so wertvoll. Micro-Greens übertreffen nicht selten die Nährwerte der „erwachsenen“ Pflanzen und gelten roh verzehrt als Superfood. Jede Pflanzenart bringt ihre eigenen Spitzen-Nährwerte mit: Wasabi-Sprossen glänzen mit einem außerordentlichen Kaliumgehalt – gut für Sportler. Wirsing-Sprossen, haben einen sehr hohen Kalziumgehalt und sind für die Stärkung von Knochen wichtig.


3 Schritte zum Micro-Gardening

Nur 1 bis 2 Zentimeter werden die Pflänzchen groß bis sie geerntet werden können und passen damit auf jede Fensterbank. Einfach einen alten Eierkarton mit Blumenerde befüllen, Samen von Rote Beete und Kohlrabi verteilen und die Erde konstant feucht halten. Geerntet werden kann zu jeder Jahreszeit.
Übrigens: Wer glaubt, Kohlrabi-Keimlinge schmecken wie das Gemüse aus dem Bio-Markt, der sollte umgehend einen Selbstversuch starten. Das beglückende Gefühl, die erste „Ernte“ über den mediterranen Brotsalat zu streuen, entlohnt für die Mühe der Anzucht und macht Lust auf neue Sprösslinge.


Indoor-Gewächshaus: Plantcube

Wer nichts dem Zufall überlassen will, etwas mehr Platz zur Verfügung hat und das entsprechende Budget, der sollte den Plantcube kennen. Sieht aus wie von Apple, kostet knapp 3.000 Euro, verbraucht Strom, kann zwar keine Klingeltöne abspielen, aber produziert essbare Biomasse. Klingt nach Matrix, schmeckt aber erschreckend real. Pflanzenzüchten in den eigenen vier Wänden auf die Spitze getrieben.
Das kühlschrankgroße Gewächshaus für den Indoor-Anbau besticht durch eine automatische Bewässerung, eine sensorbasierte Klimatisierung wie im Zigarren-Humidor und eine Tageslichtsimulation durch LEDs. Gesteuert und verfolgt wird das Ganze via App auf dem Smartphone. Das Gemüse kann als Micro-Green geerntet werden oder bis zur Größe eines iPhones heranwachsen. Der Nährstoffgehalt in den Sprösslingen kann sogar durch eine intensivere Tageslichtsimulation gesteigert werden. Wow!


Not macht erfinderisch

Im Falle von Micro-Gardening auch noch gesund! Ob im alten Eierkarton auf der Fensterbank oder im surrenden Plantcube angebaut wird, bleibt nicht nur eine Frage des Geschmacks, sondern der Haltung und der Frage der Ressourcenschonung. Sonne, Wasser und Erde sind fast zum Nulltarif zu bekommen und der Eierkarton ist biologisch abbaubar. Den Kreislauf der Natur gibt es nicht erst seit gestern und die Evolution hat ohne Plantcube stattgefunden. Einfach mal den Stecker ziehen, den Stromverbrauch reduzieren, den Antrieb zur Dauer-Optimierung ruhen lassen und sich autonom fühlen.

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Marion Endres

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