90 and fabu­lous


Lebens­freu­de und Power statt Per­fek­tio­nis­mus

Kör­pe­ridea­le, Geschlech­ter­rol­len und andere Bilder halten sich auch heute noch viel zu hart­nä­ckig, sodass die Gesell­schaft nicht sehr reprä­sen­ta­tiv abge­bil­det wird. Auch in der Wer­be­bran­che ist das schon lange ein Thema. Unter­schied­li­che Haut­far­ben, Kör­per­for­men, Alters­grup­pen oder auch Behin­de­run­gen finden nur selten und wenn nur an ent­spre­chen­den Stel­len ihren Platz.

Body­po­si­ti­vi­ty hat zumin­dest ein klein wenig Einzug im Mode- und Beau­ty­kos­mos gehal­ten. Man darf sich in der Wer­be­welt nun auch mal ab Klei­der­grö­ße 38, mit Pig­ment­fle­cken oder nur einem Bein an den Strand trauen.

Dabei besteht die Bevöl­ke­rung nicht nur aus schlan­ken, per­fek­ten Men­schen zwi­schen 18 und 35 Jahren. Warum sollte also ein Groß­teil der Gesell­schaft einfach nicht abge­bil­det werden?

Nor­ma­li­tät zele­brie­ren!

Es geht darum, die Nor­ma­li­tät, die in der per­fek­ten Wer­be­welt häufig Unvoll­kom­men­heit bedeu­tet, zu zele­brie­ren. Und wer könnte das besser als Men­schen mit viel Lebens­er­fah­rung? Für vieles braucht es Erfah­rung und ein gewis­ses Maß an Gleich­gül­tig­keit, Zufrie­den­heit und Selbst­be­wusst­sein. Wie beim Wein braucht gute Qua­li­tät eben einfach ihre Zeit. Anstel­le von Per­fek­tio­nis­mus als Vor­bild für die eigene Selbst­gei­selung, könnte man auch Lebens­freu­de, Aus­ge­las­sen­heit und Power aner­ken­nen, bewun­dern und anti­zi­pie­ren.

Stars Ü80

Auch die ein oder andere Marke hat dies für sich ent­deckt und ent­spre­chen­de Ambassa­dors gewählt. Magnum feiert so zum Bei­spiel die 97 (!)-jäh­ri­ge New Yor­ke­rin Iris Apfel, die bereits eine eigene Net­flix-Doku­men­ta­ti­on hat, und zwar genau­so, wie Apfel wirk­lich ist: far­ben­froh, aus­drucks­stark und fas­zi­nie­rend. Dabei trans­por­tiert sie ihr Mantra für die nach­kom­men­den Gene­ra­tio­nen:

Das Leben voll aus­kos­ten, los­las­sen und dem treu zu blei­ben, was einem per­sön­lich Freude berei­tet. Klingt nach Spaß, oder?

Und wäh­rend sich hier­zu­lan­de gerade voll­jäh­rig gewor­de­ne Beauty-Blog­ger mit makel­lo­sen Gesich­tern noch über die halbe oder gar die ganze Mil­li­on Fol­lower freuen, als wäre es die wahr­ge­wor­de­ne Lebens­er­fül­lung, bringt es Influen­cer-Star Baddie Winkle mit ihren 90 Jahren auf solide 3,8 Mil­lio­nen Anhän­ger. Mit ihrer selbst­be­wuss­ten Pro­fil­be­schrei­bung „Ste­al­ing ur man since 1928“ hat sie es dazu gebracht, trotz der ein oder ande­ren Falte, eine eigene Beau­ty­kol­lek­ti­on zu kre­ieren, die exklu­siv bei der Jugend so ange­sag­ten Par­fü­me­rie­ket­te Sepho­ra ver­trie­ben wird.

Die Revo­lu­ti­on der „Alten“

Man könnte es die Revo­lu­ti­on der „Alten“ nennen, doch es ist ein wei­te­rer Schritt hin zu einem libe­ra­le­ren Welt- und damit auch einem libe­ra­le­ren Wer­be­bild. Ein Hoch auf das Älter­wer­den und die, im besten Falle, immer größer wer­den­de Lebens­freu­de. Denn Älter­wer­den ist auch ein Geschenk, das nicht jedem zu Teil wird. Und Freude ist nun mal das, was nicht nur per­sön­lich son­dern auch als Mar­ken­wert sehr erstre­bens­wert ist. Bei der Wahl von Tes­ti­mo­ni­als und Bild­ma­te­ria­li­en, selbst­ver­ständ­lich nur dort wo es passt, immer mal wieder zu hin­ter­fra­gen. Denn rea­lis­tisch zu kom­mu­ni­zie­ren – visu­ell wie auch sonst – bedeu­tet auch Authen­ti­zi­tät.

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Marion Endres

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