Thema des Monats

Social Media Zensur vs. Frei­heit

TikTok, Twit­ter und Co. in der Kritik

Social Media zen­siert.

Gerade erst wurden auf TikTok mas­sen­wei­se Bei­trä­ge blo­ckiert, in denen Worte wie „schwul“ oder „Ausch­witz“ vor­ka­men. Ohne Rück­sicht auf den Kon­text.

Dass es Worte gibt, die nicht mehr in unsere Spra­che gehö­ren, steht außer Frage. Es gibt aber viele Worte und Begrif­fe, die je nach Kon­text eine durch­aus unter­schied­li­che Bedeu­tung haben und ein ande­res Gefühl ver­mit­teln. Nichts­des­to­trotz nutzt TikTok in Deutsch­land banale Wort­fil­ter und hat damit wirk­lich viel an Ver­trau­en ver­spielt. Bei t3n gab Thomas Wlat­zik ein Inter­view, in dem er auch hierzu Stel­lung bezo­gen hatte. Die Quint­essenz für Wlat­zik und TikTok: ohne mensch­li­ches Zutun kann das Com­mu­ni­ty Manage­ment im Moment noch nicht betrie­ben werden, denn die seman­ti­sche und kon­tex­tu­el­le Ein­ord­nung fällt klas­si­chen Filter-Mecha­nis­men noch schwer.

All­ge­mein gilt für Marken aber ohne­hin, dass die offen­kun­di­gen und ein­fa­chen Mecha­nis­men nicht zwangs­läu­fig die ziel­füh­ren­den sind. Es ist nicht der Filter, der mich vor Shit­s­torms und Fehl­trit­ten schützt. Es ist nicht die Reich­wei­te, die den per­fek­ten Influen­cer oder Con­tent-Crea­tor aus­macht, son­dern dass die Person authen­tisch zur Marke und zur Ziel­grup­pe passt. Was nutzen meiner Marke eine Mil­li­on Fol­lower, wenn keiner davon Inter­es­se an meinem Pro­dukt hat oder es offen­kun­dig nur eine Wer­be­part­ner­schaft ohne echtes Com­mit­ment sei­tens des Crea­tors ist.

Mei­nungs­ab­so­lu­tis­mus vs. Mei­nungs­frei­heit

Eine andere große Dis­kus­si­on zum Thema Mei­nungs­frei­heit steckt hinter der geplan­ten Über­nah­me des Kurz­nach­rich­ten­diens­tes Twit­ter durch Elon Musk. Neben den recht­li­chen Hürden einer sol­chen Über­nah­me (die Bör­sen­auf­sicht prüft den Fall), gibt es frei­lich auch einen offe­nen Dis­kurs um das eigent­li­che Ziel. Musk stellt sich selbst als den Retter der freien Spra­che dar. Zensur darf nach seinem Ver­ständ­nis keine Rolle spie­len, denn die freie Mei­nungs­äu­ße­rung steht nach seinem Credo über allem. Er stellt damit das krasse Gegen­kon­zept zu den Filter-Mecha­nis­men von TikTok dar. Die Wahr­heit liegt wo so häufig ver­mut­lich aber irgend­wo in der Mitte. Dort, wo Men­schen ihre Mei­nung so lange kund­tun können und sollen, so lange sie dabei nie­man­dem bös­wil­lig etwas Schlech­tes tun, wollen oder wün­schen. Die Inten­ti­on und der Kon­text sind wich­tig, nicht die Bot­schaft allei­ne. Jan Böh­mer­mann kann davon sicher­lich ein Lied singen.

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Maximilian Kratzer

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