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Jetzt gibt uns ChatGPT die Reiseplanung vor

Gebucht wird noch klassisch. Entschieden wird längst im Chat. Wer dort nicht verständlich vorkommt, verliert Gäste, ohne es zu merken.

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Ok, ChatGPT kann noch nicht fliegen. Aber bevor die erste Hotel- oder Reise-Website geöffnet wird, fragen viele Nutzer „Onkel ChatGPT". Die Entscheidung fällt vor dem Klick. Und genau dort sortiert KI inzwischen mit. 

Was heißt das für Destinationen, Hotels und Reisebüros? 

KI-Chats sind bereits Go-To-Quelle 

Lesedauer 5 min.

Laut einer Erhebung der Universität Passau nennen 23 Prozent der Reisenden KI-Chats als erste Informationsquelle. Das Reisebüro kommt auf 19 Prozent. Gebucht wird im Moment trotzdem meist klassisch. Aber die Vorauswahl verschiebt sich. 

Die Sabre-Studie aus den USA (April 2026) zeigt, dass fast die Hälfte der Suchenden ihr Reiseziel mit KI entdeckt hat. 29 Prozent haben ihre Pläne wegen einer KI-Empfehlung sogar geändert. Das nehmen wir ernst. KI informiert nicht nur, sie lenkt um. 

Nürnberg auf Platz 17 

Meininger Hotels hat fünf KI-Modelle 200 touristische Ziele bewerten lassen. Heidelberg und Rom liegen vorn. Nürnberg landet auf Platz 17 der deutschen Städte. Wir wollen das Ranking gar nicht beurteilen, doch interessant ist dabei die Überlegung wie diese Rankings zu Stande kommen.

Denn das Ranking macht sichtbar, was sonst im Verborgenen passiert. KI sortiert Reiseziele, noch bevor ein Gast eine Website öffnet. Wer dabei für LLM’s schlecht auffindbar ist oder auf allen Kanälen unterschiedlich kommuniziert, hat im Chat schlechtere Karten und kommt somit auch nicht an die Spitze des Rankings.

Nicht der Lauteste gewinnt, sondern der Klarste 

Im klassischen Marketing zählte oft die Lautstärke, also Budget, Reichweite und Präsenz. Bei der Sortierung durch KI zählt, so unsere These, etwas anderes. Sie bevorzugt Ziele mit konsistenter Datenbasis und einer klaren Geschichte. 

Deshalb lohnen sich zwei einfache Fragen. Woran erkennt ein Gast eure Einzigartigkeit? Und versteht eine Maschine das auch? Beides hängt vermutlich zusammen. Wenn ihr selbst nicht erklären könnt, wofür ihr steht, warum sollte es dann eine KI können? 

Sichtbarkeit ist eine Umsatzfrage 

Jede Anfrage, die im Chat verloren geht, verschwindet ohne Lärm. Kein Absprung in der Statistik, keine Beschwerde. Das macht das Risiko so tückisch. Für Reisebüros ist es besonders spürbar. Sie arbeiten mit rund 2 % Umsatzrendite und können sich wenig Streuverlust leisten. Bei Destinationen im Overtourism mag das heute verkraftbar sein. Aber der Algorithmus bestraft morgen das Versäumnis von heute. 

Drei Schritte für den Anfang 

  1. Messen, was KI über euer Ziel oder eure Marke sagt. 
    Mit mehreren Modellen, nicht nur mit einem. 
  2. Angebote, Öffnungszeiten und Preise so aufbereiten, dass Systeme sie sauber lesen. Aktuell, einheitlich, strukturiert. 
  3. Die Randsaison als eigene Jahreszeit erzählen. Wer nur den Sommer beschreibt, bekommt nur den Sommer empfohlen. 

Der Einwand lautet, die Datenlage sei dünn 

Fairerweise muss man sagen, dass die Studien nur Nutzungsabsichten und Selbstauskünfte messen. Das Meininger-Ranking ist eine Momentaufnahme von fünf Modellen, die ihre Antworten ständig ändern. Und gebucht wird weiter klassisch. Wer jetzt panisch umbaut, reagiert auf einen Trend, der noch Zahlen braucht. 

Der Aufwand der drei Schritte ist klein, der mögliche Schaden groß. Und konsistente Daten und eine klare Geschichte helfen auch ohne KI, bei Google, auf der Website und im Gespräch mit dem Gast. 

Was Maschinen lesen können 

Ein Sprachmodell bildet sich sein Bild aus dem, was es findet. Das sind Websites, Bewertungen, Verzeichnisse und Pressetexte. Widersprechen sich diese Quellen, entsteht ein diffuses Bild. Nennt das eine Portal andere Öffnungszeiten als die eigene Seite, kann das Modell die Information nicht sauber einordnen. Das ist technisch plausibel, aber für uns eine Arbeitsannahme und kein gemessener Befund. 

Deshalb ist die Aufgabe weniger technisch, als sie klingt. Sie beginnt mit einer Bestandsaufnahme. Wo stehen Angebote, Preise und Beschreibungen? Sind sie aktuell, sind sie einheitlich, erzählen sie dieselbe Geschichte? Wer das nicht weiß, kann es auch nicht steuern. 

Geschichte schlägt Aufzählung 

Datenpflege allein reicht nicht. Eine Liste mit Attraktionen macht noch keine Destination. An was sich Gäste und Modelle gleichermaßen erinnern, ist eine klare Idee. Wofür steht dieser Ort? Warum jetzt, warum hier? Das ist klassische Markenarbeit, nur mit einem neuen Leser. 

Gerade die Randsaison zeigt das. Wer Herbst und Frühling nur als Lücke zwischen den Hochzeiten behandelt, liefert Systemen keine Gründe, sie zu empfehlen. Wer sie als eigene Jahreszeit erzählt, mit eigenem Charakter und eigenen Anlässen, bekommt eine zweite Chance im Chat. 

Wer jetzt anfangen sollte 

Nicht nur die Touristik ist betroffen. Überall dort, wo Menschen sich vor dem Kauf beraten lassen, wird der Chat zum Gatekeeper, ob im Handwerk, in der Gastronomie, im Handel oder in der Beratung. Der Test dauert zehn Minuten. Stellt mehreren Modellen die Fragen, die eure Kunden stellen würden, und schaut, ob und wie ihr vorkommt. Das Ergebnis ist oft ernüchternd. Und genau deshalb lohnt es sich. 

Wichtig bleibt dabei der Blick auf die Gäste selbst. Auch die beste Datenpflege ersetzt nicht ein Erlebnis, das die Empfehlung einlöst. KI kann einen Ort nennen. Ob Menschen wiederkommen, entscheidet der Mensch.  

Unser Take? 

KI ist keine Zukunftsmusik der Touristik. Sie ist der neue Vorfilter. Wer dort nicht klar auftaucht, wird nicht schlecht bewertet, sondern erst gar nicht genannt. 

Sichtbarkeit in der KI beginnt nicht mit einem Tool. Sie beginnt mit einer klaren Marke. 



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