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Der Tüftlergeist lebt: Warum Deutschland gerade gründet wie nie

Alle reden von einer Krise. Und dann gründen 3.568 Leute ein Start-up. Wie passt das zusammen? Lesedauer 5 min. Rezession hier, Rekord da. Standort-Gejammer links, Gründer-Euphorie rechts. Deutschland 2025 war ein Widerspruch auf zwei Beinen. Aber vielleicht ist genau das der Punkt. Vielleicht gründen Menschen gerade deshalb, weil es kriselt. Weil Jobs unsicher werden. Weil

Der Tüftlergeist lebt: Warum Deutschland gerade gründet wie nie

Alle reden von einer Krise. Und dann grün­den 3.568 Leute ein Start-up. Wie passt das zusam­men?

Lese­dau­er 5 min.

Rezes­si­on hier, Rekord da. Stand­ort-Gejam­mer links, Grün­der-Eupho­rie rechts. Deutschland 2025 war ein Wider­spruch auf zwei Beinen.

Aber viel­leicht ist genau das der Punkt. Viel­leicht grün­den Men­schen gerade des­halb, weil es kri­selt. Weil Jobs unsi­cher werden. Weil „das haben wir schon immer so gemacht“ keine Ant­wort mehr ist.

Fakt ist: 2025 wurden in Deutschland so viele Start-ups gegrün­det wie nie zuvor. 3.568 neue Wachs­tums­fir­men. 29 Pro­zent mehr als 2024. Mehr als im Corona-Boom­jahr 2021. Und der Trei­ber? Zwei Buch­sta­ben: KI.

27 Pro­zent aller Grün­dun­gen haben KI im Kern. Das ist kein Hype. Das ist ein Werk­zeug.

Früher war KI ein Buz­zword für Pitch Decks. Heute ist sie das Fun­da­ment neuer Geschäfts­mo­del­le. Nicht als Fea­ture – als Kern.

56 Pro­zent der neuen Werbe-Start-ups setzen auf KI. Im Legal­Tech sind es 51 Pro­zent. Selbst im Immo­bi­li­en-Bereich liegt der Anteil bei 37 Pro­zent.

„Wir sehen KI immer häu­fi­ger dort, wo kon­kre­te Pro­ble­me gelöst werden“, sagt Arnas Bräu­ti­gam von start­up­de­tec­tor. „Von Soft­ware über Medi­zin bis hin zu indus­tri­el­len Anwen­dun­gen wird sie das Fun­da­ment neuer Geschäfts­mo­del­le.“

Das ist der deut­sche Erfin­der­geist, der sich ein neues Werk­zeug geholt hat. Nicht um Hype zu gene­rie­ren. Son­dern um Pro­ble­me zu lösen.

Klingt fast ein biss­chen nach… Made in Germany, oder?

Bayern über­holt Berlin. Und keiner hat’s gemerkt.

Die Start­up-Land­kar­te ver­schiebt sich. Mün­chen führt 2025 bei Grün­dun­gen pro Kopf. Bayern ver­zeich­net 785 Neu­grün­dun­gen – ein Plus von 46 %. Tja, das soll uns mal einer Nach­ma­chen.

Warum? Wäh­rend Berlin noch auf E‑Commerce und Fin­Tech setzt (beides aktu­ell am Schwä­cheln), fokus­siert sich Bayern auf Tech und Deep Tech. Nähe zu For­schung. Nähe zu Indus­trie. Nähe zu echten Pro­ble­men, die jetzt gelöst werden müssen. Die Bayern sind eben Hand­wer­ker.

Und genau da ent­ste­hen dann die Bei­spie­le, die nicht nach “Pitch”, son­dern nach “Pro­blem solved” klin­gen: STABL Energy zum Bei­spiel macht aus gebrauch­ten E‑Auto-Bat­te­rien Second-Life-Bat­te­rie­spei­cher für Indus­trie & Gewer­be – damit erneu­er­ba­re Ener­gie ver­läss­lich nutz­bar wird, statt zu ver­puf­fen. Nicht sexy im Club, aber extrem sexy fürs Strom­netz. Und fürs Klima. (Und ja: das ist ziem­lich “Make it, Germany!”.)

Das ist kein Zufall. Das ist Stra­te­gie. Auf jeden Fall: Fokus.

Berlin ist nicht abge­schrie­ben – die Stadt bleibt eine der füh­ren­den Start-up-Metro­po­len Euro­pas. Aber Bayern zeigt: Es geht auch anders. Weni­ger Hips­ter-Cafés, mehr Labore und hand­werk­li­ches Anpa­cken.

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8,4 Mil­li­ar­den Euro Risi­ko­ka­pi­tal. Plus 19 Pro­zent.

Die Finan­zie­rung kommt auch lang­sam hin­ter­her. 2025 flos­sen knapp 8,4 Mil­li­ar­den Euro in deut­sche Start-ups. Das ist der dritt­höchs­te Wert der Start­up-Geschich­te ever.

Ja Ja Ja, in den USA flie­ßen allein in KI-Start-ups 146 Mil­li­ar­den Dollar – das Zehn­fa­che der euro­päi­schen Summe. Aber?! Was schafft den Sprung in die Rea­li­tät und was wird einfach nur grös­ser gemacht als es ist. Wenn in Deutschland Geld fliesst, dann schau­en wir auch genau hin, was daraus ent­steht. Wir schau­en eben gründ­li­cher hin?! (Reine Ideen­haus-Hypo­the­se, aber was meint Ihr?)

Allein im Schluss­quar­tal 2025 kamen laut KfW zwei Mil­li­ar­den Euro bei uns zusam­men. Die Finan­zie­rungs­la­ge für aus­sichts­rei­che Start-ups hat sich ver­bes­sert und die Ein­stel­lung dazu auch.

Defen­se-Tech: Der Boom mit dem nie­mand gerech­net hat und jetzt alle darauf zählen.

Ein Trend, den nie­mand auf dem Schirm hatte: Seit dem Angriff auf die Ukrai­ne 2022 explo­die­ren die Invest­ments in Defen­se-Tech.

Von 1,3 Mil­lio­nen Euro in 2020 auf 890 Mil­lio­nen Euro in den ersten neun Mona­ten 2025. Das ist nicht mal mehr expo­nen­ti­ell – das ist ver­ti­kal.

Deutschland erfin­det nicht nur Kühl­schrän­ke und MP3-For­ma­te. Deutschland erfin­det auch das, was die Welt drin­gend braucht. Auch wenn es unbe­quem ist und manch­mal nicht so sexy klingt, aber es sind die stil­len Money­ma­ker, die gerne unter­schätzt werden.

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„Wir sind sehr ver­liebt in das, was uns groß gemacht hat.“

Verena Paus­der, Vor­stands­vor­sit­zen­de des Start­up-Ver­bands, bringt es auf den Punkt: „Wir sind in Deutschland sehr ver­liebt in das, was uns groß gemacht hat – und über­se­hen dabei schnell, was uns in Zukunft groß machen wird.“

Das ist die Span­nung, in der Made in Germany steht. Zwi­schen Tra­di­ti­on und Trans­for­ma­ti­on. Zwi­schen „das haben wir schon immer so gemacht“ und „das muss anders werden“.

Der Start-up Boom zeigt: Es gibt genug Men­schen in Deutschland, die sich für „anders“ ent­schei­den. 3.568, um genau zu sein.

Nein Deutschland sieht nicht alles nega­tiv, denn es gibt genug Unter­neh­mer­geist in uns allen, den wir hier abfei­ern möch­ten. Wir sind eben nicht laut, aber gründ­lich und da, wenn man uns braucht. Wir drü­cken uns nicht weg und lassen uns nicht stumm schal­ten. 

Unser Take?

Made in Germany ist kein Erbe, auf dem man sich aus­ru­hen kann. Es ist eine Ent­schei­dung. Jeden Tag aufs Neue.

Der Kühl­schrank von Carl von Linde? War auch mal ein Start-up. Das MP3-Format aus Erlan­gen? War auch mal eine ver­rück­te Idee. Die gedruck­te Haut aus dem Fraun­ho­fer-Labor? High­tech-Pro­the­sen für Vete­ra­nen, die in Mit­tel­fran­ken her­ge­stellt werden, damit ein lebens­wer­tes Dasein ermög­licht wird.

Deutschland erfin­det nicht weni­ger. Es erfin­det anders. Leiser. Gründ­li­cher. Pro­blem­ori­en­tier­ter.

Und das ist ver­dammt gut so.

Wert­schät­zung heißt nicht aus­ru­hen. Son­dern wei­ter­ma­chen.

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