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Addicted 09. März 2018 Smartphones – für die Abhängigkeit designed

Weltweit besitzen 2,5 Milliarden Menschen ein Smartphone. Es ist unser steter Begleiter und übernimmt in unserem alltäglichen Leben nach und nach immer mehr Aufgaben. Viele Nutzer können es kaum noch aus der Hand legen, außer vielleicht zum Schlafen. Laut den deutschen Forschern des „Menthal Balance"-Projekts, schalten wir im Durchschnitt 88 Mal pro Tag unser Smartphone ein – also alle 18 Minuten.

Warum sind wir so abhängig von unseren Smartphones?

Tristan Harris, ehemaliger Google Design Ethicist, erklärt wie manche Apps uns dazu manipulieren ständig auf unsere Smartphones zu schauen und welche Tricks uns dabei helfen können uns von dieser Sucht zu befreien.

„It's not designed to help us – it's just designed to keep us hooked."

REGEL Nr. 1: Nicht-menschliche Benachrichtigungen ausschalten

Anrufe, SMS oder Nachrichten werden uns üblicherweise angezeigt, wenn uns jemand erreichen möchte. Viele Apps simulieren diese soziale Interaktion damit man mehr Zeit auf ihrer Plattform verbringt. Wenn Facebook beispielsweise eine Push-Nachricht sendet, dass einer unserer Freunde sich für ein Event in der Nähe interessiert, agiert Facebook als eine Art Puppenspieler der uns an den Fäden zieht. Die meisten Apps nutzen unsere persönliche Sehnsucht nach sozialen Kontakten zu ihrem Vorteil aus, um uns dazu zu verführen die App häufiger zu benutzen.

„I think we're living inside of 2 billion Truman Shows.                                                Where you wake up and everything is sort of coordinated                                           for you and you don't really even realize it..."

Ursprünglich wurden Push-Nachrichten im Jahr 2003 für Blackberry mit dem Zweck entwickelt, dass man sein Handy nicht mehr so oft auf neue Nachrichten überprüfen muss, da neue E-Mails direkt angezeigt wurden sobald sie im Posteingang eingingen. So war es nicht notwendig aktiv das Mailprogramm zu öffnen und zu checken.

Unvorhersehbarkeit macht geheimnisvoll

Könnten wir voraussagen ob neue Benachrichtigungen gute oder schlechte Neuigkeiten beinhalten, würden wir nicht abhängig davon werden sie zu checken. Die Vorhersehbarkeit würde verhindern, dass wir sofort wissen wollen, was sich hinter dem Benachrichtigungs-Symbol verbirgt.

Dieselbe Logik steckt übrigens hinter einarmigen Banditen, wie man sie aus Casinos und Glücksspielhallen kennt. Sie machen bis zu vier Mal schneller abhängig als andere Arten des Glückspiels. „Pull-to-refresh"-Features in Apps bedienen sich der visuellen Aufmachung der einarmigen Banditen und imitieren das Design-Prinzip. Durch das runterziehen mit dem Finger aktualisiert sich automatisch der Content der App. So geben wir uns der Illusion hin die App zu kontrollieren.

 

 

In naher Zukunft könnte es weitere Lösungsansätze für einen gesünderen Umgang mit Benachrichtigungen geben. Untersuchungen des Center for Advanced Hindsight haben ergeben, dass eine gebündelte Nachrichten-Zusendung hilfreich sein könnte. Smartphones würden dann zu festgelegten Zeiten neue Nachrichten anzeigen, was wiederum den Stress für den Nutzer reduzieren würde.

REGEL Nr. 2: Graustufen-Filter für den Home Screen einstellen

Durch bunte Farben wird die Aufmerksamkeit der Augen erregt. Menschliche Augen reagieren sensibel auf warme Farbtöne – vor allem auf helle Rottöne. Viele Apps haben in den letzten Jahren das Erscheinungsbild ihrer Icons dahingehend angepasst und aufgehellt.

Kein Wunder also, dass die Benachrichtigungs-Bubbles rot sind. Ein grünes oder blaues Icon würde unsere Aufmerksamkeit nicht so sehr auf sich ziehen wie leuchtendes Rot. Um diesen Effekt zu neutralisieren kann man einen Grau-Farbfilter auf seinem Smartphone einrichten, der den Start-Bildschirm in Grauabstufungen anzeigt. Das Gehirn kann dadurch nicht auf den ersten Blick dazu verleitet werden Nachrichten in wichtig und unwichtig einzustufen. Somit kann man dem Drang wiederstehen alles, was rot aufleuchtet anzutippen.

 

 

REGEL Nr. 3: Start-Bildschirm auf die wichtigsten Apps reduzieren.

Beim Entsperren des Smartphones sollte neben den wichtigsten Apps nichts zu sehen sein – außer den Tools, die uns im alltäglichen Leben helfen. Wie beispielsweise Kalender, Maps und Adressbuch – so vermeidet man in das berüchtigte Kaninchenloch gezogen zu werden.

Apps, bei denen man endlos weiterscrollen kann, weil sich stetig neuer Content lädt – die also keinen Endpunkt haben, saugen unsere Aufmerksamkeit schier auf. Apps mit Seitenanzeige, die man weiterblättern kann, lassen uns intuitiver spüren, wie lange wir uns mit der App schon beschäftigen.

Mittlerweile gibt es Entwicklungen, die für mehr Transparenz sorgen und der zunehmenden Smartphone-Sucht entgegen wirken möchten. Nutzern soll aufgezeigt werden, wie viel Zeit sie auf einer Seite oder mit einer App verbringen.

Auch wir vom IDEENHAUS stellen uns nun bewusster die Frage – was ist unserer ungestörten Aufmerksamkeit wert?

 

Quellen:

https://www.youtube.com/watch?v=NUMa0QkPzns

https://www.wuv.de/digital/weltweite_smartphone_verbreitung_steigt_2018_auf_66_prozent