Impressionen von der South By Southwest Conference in Austin

Einmal im Jahr findet in Austin die größte Digitalkonferenz der Welt statt – die „South By Southwest Conference“. Was 1987 als ein alternatives Musikfestival startete, wurde im Laufe der Zeit zu einem der wichtigsten Events der Unternehmens- und Kreativbranche. Aus allen Teilen der Welt kommen Besucher nach Texas um sich dort vom 9. bis 18. März inspirieren zu lassen und für einige Tage Teil der innovativen Community zu werden.

Dieses Jahr war IDEENHAUS live mit dabei – auf der Suche nach den neusten Trends und Entwicklungen – gespannt darauf, die aufregende Stadt näher kennenzulernen und ihre Anziehungskraft zu verstehen. Neben dem Silicon Valley und den elitären Großstädten der Ostküste hat sich Austin zu einem der attraktivsten Standorte für Unternehmen und Start-Ups entwickelt. Doch was ist Austins Geheimnis?

Austin – eine Perle

Das South By Southwest Festival verschreibt sich dem Ziel, Kreative dabei zu unterstützen ihre Ziele zu erreichen und eine Annäherung zwischen Menschen unterschiedlichster Professionen zu fördern. Die einzigartige Verschmelzung der Musik-, Film- und Interaction-Branche während der zahlreichen Veranstaltungen bietet die ideale Basis zum Netzwerken.

„SXSW proves that the most unexpected discoveries happen when diverse topics and people come together.“

Diese offene, optimistische Haltung lässt sich auf die gesamte Stadt übertragen. Täglich zieht es bis zu 200 neue Bewohner in die texanische Stadt. Das kann kein Zufall sein! Der Vortrag von Cam Houser gab uns Aufschluss darüber, was Austin so besonders macht: Im Vergleich zu anderen Städten sind die Lebenshaltungskosten hier noch vergleichsweise gering. Trotzdem hat Austin einiges an Freizeitangeboten zu bieten und vor allem eines: Nightlife. Das pulsierende Nachtleben Autsins hat eine tragende Rolle bei der Entwicklung zum Start-Up-Mekka gespielt. Das ist es was junge, talentierte Menschen sich neben erfüllenden Jobs wünschen – hohe Lebensqualität, Diversity Mentalität und genügend Fun Factor als Ausgleich.

Cam Houser zieht zur Bestätigung seiner These den Vergleich zwischen den großen Metropolen Amerikas. Er betrachtet sie als Marken und versucht sie mit wenigen Worten zu einem Persönlichkeits-Profil zu verdichten:

New York: be rich
Boston: be smart
San Francisco: think big
Austin: be yourself

Do we need to say more?

5 Mal sollst du scheitern

Eine weitere bereichernde Erkenntnis für uns: die Kultur des Scheiterns wird in Austin sehr gepflegt. Ein erfolgreicher Gründer sollte im Schnitt schon bis zu 5 Mal gescheitert sein – erst dann gilt man in den Augen der meisten Start-Up Gründer als ernstzunehmender Unternehmer. Nur wer Fehler macht, lernt daraus. Diese Dynamik des schnellen Scheiterns und des schnellen Lernens trägt zu dem großen Wachstum der Stadt Austin bei – wirtschaftlich wie auch menschlich.

Künstliche Intelligenz – Hoffnungsträger oder Albtraum-Szenario

Das Zusammenwirken von Mensch und „Artificial Intelligence“ (A.I.) war wohl das polarisierende und meist diskutierte Thema der SXSW Konferenz.

In seinem Vortrag teilt Professor Gentsch A.I. in drei Dimensionen ein: Automation, Augmentation und Innovation. In der Agenturbranche sind wir bereits von automatisierten Prozessen in Produktion und Marketing Kommunikation umgeben – wie beispielsweise „programmatic Advertising“ und „Google Ads“. Automatisierung kann für uns im besten Sinne bedeuten, dass unnötige Kosten eingespart werden wodurch der Mensch wieder dazu befähigt wird bessere Entscheidungen zu treffen und sich auf das wesentliche zu konzentrieren. Augmentation wird weiterhin einen wichtigen Part in der Entwicklung von Apps, Medien- und Informationsdesign spielen.

Smartphone adé!

Amy Webbs Talk über künstliche Intelligenz markiert den Beginn des Bedeutungsverlustes des Smartphones im Jahr 2018. Zukünftig werden wir ihr zufolge nicht mehr auf unser Smartphone angewiesen sein, da Voice-basierte Technologien á la Alexa und Siri sich langfristig auf alle unsere Lebensbereiche auswirken werden. Als Markenagentur wirft das für uns spannende Fragen auf: Wird die Markengestaltung der Zukunft nicht mehr visuell arbeiten sondern auditiv? Wie können Marken sich dafür wappnen?

Trotz vieler positiver Vorhersagen gibt es auch laute Gegenstimmen, die befürchten, dass künstliche Intelligenz uns das Leben nicht nur erleichtern wird – sondern ganz im Gegenteil: Der Kontrollverlust über das eigene Leben und die Übernahme der Weltherrschaft von Maschinen – Ängste aus denen der Stoff für Science Fiction Filme geschöpft wird, doch wie nah könnten wir diesem Szenario tatsächlich kommen?

From Musk Till Dawn

Der mit großer Spannung erwartete Auftritt des Tesla-Gründers Elon Musk war einer der Höhepunkte der Konferenz. Musk äußerte sich sehr kritisch gegenüber der Entwicklung von künstlicher Intelligenz. Überschätzt sich der Mensch was die Kontrolle von künstlicher Intelligenz betrifft? Laut Elon Musk ist dies bereits der Fall. Er warnt mit so starken Worten vor den möglichen Gefahren von A.I. und beleuchtet so eine mögliche Schattenseite.
„I’m close to AI and it scares the hell out of me (..) It’s capable of vastly more than anyone knows, and the improvement is exponential. The danger of AI is much greater than the danger of nuclear warheads — by a lot. Mark my words, AI is far more dangerous than nukes.“

Alles ist Design – Design ist alles

Der inspirierende Beitrag von Bruce Mau hat uns nachhaltige Impulse geliefert, die wir für uns als Kreative zukünftig in unsere Arbeit einfließen lassen möchten. Sein Mantra klingt recht eingängig und simpel: alles ist Design. Von der Handtasche über Städte mit ihrer gesamten Infrastruktur bis hin zu Kommunikation und Algorithmen. Jeder Prozess ist Gestaltung. Im Hinblick auf Amy Webbs Prognose und dem Niedergang des Smartphones ergeben sich aus dieser Haltung endlose Möglichkeiten im Bezug auf Markengestaltung. Design bedeutet ein gutes Leben – schlechtes Design ein schlechtes Leben. Ebenso wie gutes Design mit gutem „Business“ gleichzusetzen ist.
Für uns als Designer impliziert es, dass wir in der Markengestaltung nicht nur Markenkontaktpunkte gestalten oder Corporate Identity – wir gestalten umfassende Prozesse die in strategische Ansätze übergreifen. „Good Design“ beginnt in internen Abstimmungsrunden, bei der Einrichtung des Büros, die Zusammensetzung eines Teams. Ein Team das an innovativen Marken arbeitet muss ebenfalls innovativ sein – also interdisziplinär. Bruce Mau ist der Meinung, dass es wichtig ist alle, die an ein und demselben Auftrag arbeiten, in einen Raum zu bringen. Das heißt: Designer, Programmierer, Softwareentwickler und alle die daran beteiligt sind. Kurze Wege und unmittelbare Kommunikation ohne Umwege sind Voraussetzung für gutes Design. Seine sieben Designprinzipien bringen es auf den Punkt:

1. Integrity
2. Empathy
3. Innovation
4. Enthusiasm
5. Performance
6. Excellence
7. Collaboration

Work on what you love

„Work on what you love“ – dieser Satz aus Bruce Maus Vortrag ist für uns ganz essenziell geworden. Aus eigener Erfahrung wissen wir, dass innovatives Design nur in einem eingeschworenen Team entwickelt werden kann, in das sich jeder gleichermaßen mit seinen Stärken einbringt und seiner Ambition, die beste Lösung für unsere Kunden zu finden.

Auf der SXSW haben wir inspirierende Vorträge gehört, spannende Menschen getroffen und eine Stadt erlebt, die der ideale Nährboden für innovative Start-Ups und die Marken der Zukunft ist. Mit der Entwicklung künstlicher Intelligenz, stehen wir vor noch ungeahnten Herausforderungen doch wir sind zuversichtlich, dass sich daraus spannende Wege und Möglichkeiten für die Markengestaltung ergeben. Die einzigartigen Eindrücke und Erlebnisse der vergangenen Tage werden noch lange in uns nachhallen und uns inspirieren. Austin – wir kommen wieder!

TEILEN

Autor kontaktieren

Marcel Olek

DAS KÖNNTE IHNEN AUCH GEFALLEN

Menu Menu
Zurück
Scroll to Top